Das Forum Vernetzte Sicherheit hat Handlungsempfehlungen für eine verbesserte Krisenbearbeitung entwickelt. Die Ergebnisse sind im Folgenden zusammengefasst und fußen auf den Erfahrungen namhafter Experten und Praktiker:

Neue Steuerungsgruppe

Rivalitäten und Konkurrenzdenken zwischen einzelnen deutschen Ministerien haben in der Vergangenheit zu doppelten Ansätzen und nicht optimalem Einsatz verfügbarer Ressourcen geführt. Unter Federführung des Auswärtigen Amtes wird daher noch in diesem Jahr eine gemeinsame Steuerungsgruppe für die Krisenkoordination, bestehend aus Vertretern des AA, BMZ, BMVg und BMI gebildet, um Absprachen zu erleichtern und die Schnelligkeit zu erhöhen.

Interdisziplinäre Kompetenz

Ressortdenken führt zu Spezialisierung. Das ist aber gerade bei vielschichtigen Krisenlagen dann hinderlich, wenn es keinen unmittelbaren Austausch zwischen den Ressorts gibt. Angeregt wird deshalb der verstärkte Einsatz von Verbindungsbeamten aus benachbarten Ressorts im Bereich des Auswärtigen Amtes, ähnlich dem schon traditionell verankerten Einsatz von Verbindungsoffizieren, entsandt aus dem Bereich des BMVg.

Downsizing von Standards

Die von den Vereinten Nationen formulierte Qualitätsanforderungen an Hilfsorganisationen sind in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeweitet worden. Das schadet jedoch der Reaktionsgeschwindigkeit und der Luftverlegbarkeit an weit entfernte Orte, da die erforderlichen Teams und Ausrüstung immer größere Ausmaße annehmen. Hier wäre ein „Downsizing“ bei den geforderten Fähigkeiten sinnvoll, um dem „fast action“-Ansatz mehr entsprechen zu können. Kein „one size fits all“ – besser ist es kleinere und spezialisierte Teams schneller zu verlegen.

Präqualifikation

Es bieten sich für die Krisenbearbeitung eine Fülle von zivilen Hilfsorganisationen an. Notwendig ist jedoch ein sauberer Prozess der Präqualifikation. Immer wieder leiden internationale Hilfseinsätze, und vor allem die vor Ort naturgemäß mangelhaft vorhandene Infrastruktur, unter einem relativ offenen Zufluss von Helfern mit nicht ausreichender Qualifikation. Dies gilt es in Zukunft zu verhindern, da ein solcher Ansturm zwar logistische Kapazitäten bindet aber nicht effizient ist. Einheitliche und verbindliche Registrierungsverfahren, vor allem für die medizinische Versorgung, müssen im Rahmen der VN forciert werden.

Koordinierte Vor-Ort-Assessments

Während staatliche Institutionen eine koordinierte Vorerkundung vornehmen, mangelt es hier an Kapazitäten bei zivilen Organisationen. Hilfreich wäre ein gesteuerter Prozess und eine Einbindung ziviler Organisationen in die Erkundungsaktivitäten staatlicher Stellen unmittelbar vor Beginn des Einsatzes.