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80-900 Euro

Nizza: Schon wieder Frankreich, schon wieder sind viele feiernde und fröhliche Menschen durch einen Attentäter ums Leben gekommen. Kennzeichen dieser neuen Anschläge: Sie sind offensichtlich mit einfachsten Mitteln zu bewerkstelligen.
Diesmal war es ein Lastwagen. Sollte eine Waffe oder Sprengstoff ebenfalls mitgeführt oder gar zum Einsatz gekommen sein – es ist für die Dimension des Schreckens und das Ausmaß der Zerstörung unerheblich. „Kosten“ für den Angriff: Mutmaßlich zwischen 80 und 900 Euro, wenn man entweder einen Lastwagen mietet oder ein altes Modell kauft. Warum diese perfide Rechnerei? Weil sie auf ein großes Problem hindeutet. Das „hybride“ am Kampf gegen den Terror ist, dass wir trotz aller bisherigen Sicherheitsbemühungen für Millionen von Euro Anschläge dieser Art nicht verhindern können.
Dabei sei an einen Vortrag von Professor Peter Neumann, renommierter Terrorismusexperte und Direktor des „International Center for the Study of Radicalisation“ am King’s College in London erinnert, den er im Rahmen einer Veranstaltung des Forums Vernetzte Sicherheit hielt. Gefährlich sei demnach besonders ein struktureller Wandel innerhalb der Terrororganisation, eine zunehmende „Konvergenz der Milieus“, wie Neumann es formulierte: Während die erste Generation islamischer Terroristen, zum Beispiel die Attentäter des 11. September 2001, vorwiegend aus gebildeten Personen der Ober- und Mittelschicht bestand, rückten immer mehr Kriminelle nach, nicht selten mit langem Vorstrafenregister.
Der so groß und organisiert wirkende Islamische Staat und andere Terrororganisationen brauchen gar nicht mehr eine durchgreifende Struktur, wenn „Lone Wolves“, angepeitscht durch Internetpropaganda, für die Geheimdienste „wie aus dem Nichts“ auftauchen und schreckliche Anschläge verüben können. Die Dienste waren nicht in der Lage, diesen Anschlag zu verhindern. Auch wenn die Hintergründe des Anschlags von Nizza noch unklar sind – eines steht fest: Es ist dringend notwendig, Mittel und Möglichkeiten der Sicherheitsbehörden auch im Bereich der Prävention und im Hinblick auf psychisch kranke Einzeltäter zu diskutieren.

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