Hochspezifische Krebsmedikamente werden häufig von wenigen Herstellern angeboten und global produziert und transportiert. Unterbrechungen in Produktion und Logistik haben starke Auswirkungen auf die Gesundheit, bzw. das Überleben von Patient*innen in Deutschland, Europa und weltweit. 

Die schmale Produktions- und Logistikkette ist schon durch Alltagsgefahren (Wegfall von Rohstoffen, natürliche Unterbrechungen in der Lieferkette, unsachgemäßer Transport und Lagerung etc.) sensibel. Hinzu kommen zunehmende Aktivitäten der Organisierten Kriminalität in dem hochprofitablen Bereich. Auf Grund der besonderen gesellschaftlichen Sensibilität bei Krebserkrankungen, sind diese Arzneimittel auch mögliches Ziel politischer und terroristischer Störungen (z.B. Cyberattacken) und Erpressungen

Auf Betreiben des „Forums Vernetzte Sicherheit gGmbH“, welches der „Initiative Innovationskraft für Sicherheit in der Wirtschaft“ (IISW) vorsteht, hat sich nun ein Forschungskonsortium konstituiert, um in diesem Bereich an neuen Sicherheitslösungen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) zu arbeiten. Der Name des Projektes lautet „Sicherheit in der Pharma-Logistik“. Das international verwendete Akronym „s4pt“ steht für „Security for Pharma-Transportation“. Das Konsortium wird ein KI-Tool entwickeln, das die Versorgungssicherheit für hochspezifische und lebenswichtige Medikamente entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessert. Dazu gehört die frühzeitige Vorhersage möglicher Produktionsengpässe, die Absicherung der Liefernetze sowie die Resilienz gegenüber digitalen Threats und kriminellen sowie terroristischen Bedrohungen. Die bestehenden und unterschiedlichen Track&Trace-Standards werden berücksichtigt. Ergänzend werden die rechtlichen/politischen Rahmenbedingungen im internationalen Warenverkehr im Hinblick auf diese spezifische Produktgruppe untersucht und Lösungsvorschläge unterbreitet. Innerhalb von zwei Jahren wird ein Demonstrator entstehen, der im Anschluss zum Marktstandard entwickelt werden soll.

Das Vorhaben ist binational angelegt und wird vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Forschung für die zivile Sicherheit“ und dem österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) im Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS finanziell gefördert. Bei erfolgreichem Projektverlauf ist das zu entwickelnde Tool geeignet, die globalen Lieferketten sensibler Produkte signifikant und ganzheitlich abzusichern.

Mitglieder des Konsortiums:

  • Bayer AG
  • Zentrum für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien, Universität Osnabrück
  • Forum Vernetzte Sicherheit gGmbH (Projektkoordinator)
  • Wirtschaftskammer Österreich
  • netwiss OG
  • Manova GesmbH
  • Spedition Russia GesmbH
  • Institut für Logistik, Fachhochschule Oberösterreich

Das Fördervorhaben hat im März 2019 begonnen und umfasst 24 Projektmonate. Im Laufe des Projektes ist die Schaffung eines Projektbeirats vorgesehen. Ebenso soll ab dem Projektmonat 13 ein umfassender Community-Check innerhalb von Stakeholdern und potentiellen Bedarfsträgern erfolgen.

Förderkennzeichen 13N15089, 13N15090