Wenn Krieg und Krankheit sich die Hand geben

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Es ist viel in Europa über die Bekämpfung von Fluchtursachen die Rede. Der zweitgrößte Ebola-Ausbruch im Kongo zeigt wie sie entstehen – weil in Afrika Krieg und Krankheit zusammen gehören und die Weltgemeinschaft versagt.

Derzeit zählen die Behörden 680 Menschen, die in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebola-Virus infiziert sind. Das ist der zweitgrößte Ausbruch der Krankheit in der Geschichte des Landes. Derzeit sind 414 Tote zu verzeichnen. Doch mit dem Zählen ist das so eine Sache. Wer will das schon so genau wissen. Ebola-Tote kommen inzwischen auch in den aktiven Kriegsgebieten des Landes vor. Nun fürchten die Behörden, dass Ebola sich auch in Richtung Goma ausbreitet, einem wirtschaftlichen und logistischen Knotenpunkt des Landes.

Die Krankheit spielt denjenigen, die in dem Land für Chaos sorgen, in die Hände. Unlängst griffen „Demonstranten“ eine Klinik im ostkongolesischen Beni an. Das Behandlungszentrum wurde geplündert und in Brand gesteckt. Dabei flohen rund 20 Patienten mit Verdacht auf die heimtückische Krankheit und sorgten für eine weitere Ausbreitung. Grund für den Aufruhr war die angekündigte Verschiebung der Präsidentenwahl auf den März 2019 durch die Wahlkommission – auf Grund der bestehenden Terror und Ebola-Gefahr.

Das „Land“ Kongo ist ein Paradebeispiel für das was, in Afrika seit Jahrzehnten schief läuft. Die ehemalige belgische Kolonie wurde erst lange ausgebeutet und danach schlecht politisch geführt. Die über 30jährige Herrschaft des Diktators Mobutu gilt als Paradebeispiel für die Diktaturen und Seilschaften in Afrika. Die Bundeszentrale für politische Bildung meint dazu: „Im Kongo gab es nie einen funktionierenden Staat, geschweige denn Vertrauen in staatliche Institutionen wie Polizei, Militär, Justiz oder Parteien.“ Der belgische König Leopold II.während der Kolonialzeit und Mobutu seit 1965 bereicherten sich massiv an den natürlichen Ressourcen des Landes, während sie gleichzeitig das staatliche System systematisch ihrem Gewinnstreben unterordneten und die Bevölkerung unterdrücken und verhungern ließen.

Die internationale Staatengemeinschaft hat selbstverständlich mehrfach versucht, die Konflikte im Kongo zu lösen. Die Vereinten Nationen führten von 1960 bis 1964 eine Friedensmission mit bis zu 20.000 Soldaten in dem Land durch. Doch 250 Tote und 400 Millionen US-Dollar später zog die UNO 1964 wieder ab. Mobutu kam an die Macht.

Auf einer internationalen Geberkonferenz im vergangenen Jahr sagte die internationale Staatengemeinschaft dem Land Finanzhilfen in der Höhe von 430 Millionen Euro zu. Natürlich – und die jüngsten Ereignisse zeigen dies – sind Maßnahmen dieser Art wirkungslos. Es setzt sich einfach die fehlerhafte Politik der reichen Staaten gegen die armen Staaten durch. Weder robuste Mandate noch warmer Geldregen mögen verhindern, dass sich Krieg und Krankheit im Kongo die Hand geben. 

Noch scheinen sich die Europäischen Staaten damit zu trösten, dass die Menschen des Kongo sich nicht auf den tausende Kilometer langen Weg durch die Sahara und das Mittelmeer in Richtung Europa machen. Doch die Zeiten – und damit die Mobilität der Menschen, auch in Afrika – ändern sich. Die Welt ist zwar immer noch kein „Dorf“. Konflikte, wie der im Kongo, rücken jedoch näher an uns heran. Das liegt auch an den historischen Dimensionen des Leids. Es gilt, diese Konflikte auch mit militärischer und sozialer Hilfe aus Europa zu lösen.