Ansteckende Krankheiten: Ein Schreckgespenst kehrt zurück nach Europa

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Mehrere EU-Länder befinden sich aufgrund unzureichender Impfstoffversorgung inmitten eines beispiellosen Ausbruchs übertragbarer Krankheiten. So haben sich alleine in den letzten zwei Jahren die Masererkrankungen mehr als verdreifacht. Die EU-Kommission arbeitet an einer europaweiten Regelung, die noch in 2018 in Kraft gesetzt werden soll.

Allein im Jahr 2017 wurden EU-weit rund 14.000 Patienten wegen ihrer Masernerkrankung den Behörden gemeldet. Hierbei handelt es sich naturgemäß nur um die medizinisch versorgten Fälle. Die tatsächliche Dunkelziffer dürfte daher noch höher sein. In den letzten zwei Jahren starben innerhalb Europas über 50 Menschen an Masern und zwei an Diphtherie. Auch wenn die EU derzeit poliofrei ist, beobachten die Gesundheitsbehörden die sinkenden Impfraten auch hier mit Sorge. So besteht die Gefahr, dass der Virus auch auf europäischem Boden wieder auftritt.

Die saisonale Grippeimpfung innerhalb älterer Altersgruppen hat in den letzten Jahren in den meisten EU-Ländern ebenfalls abgenommen, und das „European Centre for Disease Prevention and Control“ schätzt, dass 40.000 Menschen in Europa jedes Jahr an den Komplikationen der saisonalen Grippe sterben. Die EU-Kommission hat daher einen öffentlichen Konsultationsprozess initiiert und eine Reihe von Expertentreffen mit Gesundheitsorganisationen, NGOs aus dem Gesundheitswesen, Studentenorganisationen und Wirtschaftsvertretern durchgeführt. 

Die parallele Online-Konsultation mit Bürgerinnen und Bürgern zeigte insgesamt jedoch auch das mangelnde Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen sowie das mangelnde Vertrauen in Behörden und Industrie. So nannten 70 %, dass die starke Einflussnahme seitens der Behörden und Industrie auf die Wahlentscheidung zur Impfung eben genau zur derzeitigen Zurückhaltung beitrage.

Der derzeitige Vorschlag der Kommission wird nun vom Rat erörtert, damit er noch vor Ende 2018 angenommen werden und danach sofort in Kraft treten kann. In der Folge möchte die Kommission alle drei Jahre über die Fortschritte bei der Umsetzung der Empfehlung berichten. Darüber hinaus wird die Kommission auch einen Bericht über den „Stand des Vertrauens in Impfstoffe in der EU“ vorlegen, um die Einstellung zur Impfung im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand innerhalb der EU weiter zu verfolgen.