Der Teilzeitkrieg im Vorgarten

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Hybride Kriegsführung – Pentagon will Teile der Welt als vorübergehende Schlachtfelder erklären.

Schon lange beschäftigen sich Militärs und ThinkTanks mit dem Phänomen der hybriden Kriegsführung. Bewaffnete Auseinandersetzung unterhalb der Schwelle „heißer Konflikte“ und Kriege ungeachtet nationaler Grenzen – die öffentliche Debatte darüber steht erst am Anfang. Bis jetzt hat die Staatengemeinschaft noch keinen „Modus vivendi“ gefunden, angemessen mit den neuen Herausforderungen umzugehen.

Wie unter anderem der „Guardian“ berichtet, unterbreitet das US-amerikanische Pentagon nun einen neuen Vorschlag und möchte sogenannte „temporary battlefields“ einrichten können. Zeitlich und räumlich begrenzt könnten damit bestimmte Regionen der Erde als Kriegsgebiet und Schlachtfeld erklärt werden. „Wenn der Vorschlag genehmigt wird, dürfte er den Einsatzkräften die gleiche Palette an Fähigkeiten an die Hand geben, um Streiks Überfälle und Maßnahmen gegen feindliche Kräfte bis zu sechs Monate zu starten, wie sie heute schon im Irak, Afghanistan oder in Syrien möglich sind“, so der „Guardian“.

In diesen Gebieten würden Schäden gegenüber der Zivilbevölkerung bis zum Grad der „reasonable certainty“ akzeptiert und einkalkuliert werden – eine Definition, wie sie bislang nur für Kriege existiert.

Die vorübergehende Deklarierung von Regionen als „vorübergehende Kriegsgebiete“ soll helfen, den Kampf gegen den Islamischen Staat zu beschleunigen. Hier kommt es immer wieder zum Rückzug und Untertauchen bewaffneter Terroristen in zivilen Gebieten. Der Vorschlag entspricht der Logik, den Feind auch in seinen Rückzugsräumen mit militärischen Mitteln bekämpfen zu können. Er steht jedoch im Widerspruch zur aktuellen Definition nationaler Souveränität und wird einen neue Debatte entfachen, ob und bis zu welchem Grad zivile Opfer im Rahmen hybrider Kriege in Kauf genommen werden.

Unabhängig vom Islamischen Staat: Konflikte und offene Kämpfe bewaffneter Gruppen gehen einher mit der weltweiten Bildung von Megacities, wie der Blick unter anderem nach Südamerika zeigt. Debatten über „Urban warfare“ und „Urban security“ entsprechen der Tatsache, dass Mega-Metropolen ein Nährboden für Kriminalität, soziale und ethnische Auseinandersetzungen sind. Konflikte, die nur unter Einsatz militärische Mittel beendet werden können. Die Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Innern und die robustere Ausstattung der Polizeien in Deutschland sind Teil dieser Entwicklung.