„Amerika steht nicht mehr so fest an unserer Seite“

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FVS-Beiratsmitglied Josef Braml erklärt gegenüber „tagesschau.de“, wie der Sieg Trumps das Verhältnis zu Deutschland und Europa beeinflusst. 

Die Kernaussagen:

„Wir müssen Donald Trumps Grundsatzrede zur Außenpolitik, die sicherlich erst einmal für den Wahlkampf gedacht war, ernst nehmen. Zum Einen verunsichert Trump, weil er die Solidarität, selbst die NATO, infrage stellt. Trump will die Alliierten dazu nötigen, mehr Geld für die eigene Sicherheit in die Hand zu nehmen. Amerika wird hier massiven Druck aufbauen. Zum Anderen – und das stimmt mich noch bedenklicher – wird sich Amerika endgültig von einer Freihandelsnation in eine protektionistische Nation verwandeln. TTIP können Sie getrost vergessen. Es besteht vielleicht noch Hoffnung, dass der Deal mit den Asiaten, die Transpazifische Partnerschaft, noch schnell durch den aktuellen Kongress geht, bis der nächste Kongress übernimmt. Wenn Sie diese beiden Bereiche nehmen, wird Amerika nicht mehr die liberale Weltmacht sein, von der wir immer noch träumen. Amerika wird seine eigenen Interessen sehr viel enger definieren und noch mehr Lasten auf uns abzuwälzen versuchen.“

„Syrien ist unser (Europas) Problem. Die Amerikaner werden keine Bodentruppen schicken, vielleicht werden sie das eine oder andere aus der Luft machen. Der Kampf gegen den Terror dort und die Stabilisierung Syriens ist unsere Aufgabe. Da könnte die transatlantische Arbeitsteilung funktionieren: Amerika hat die Staatenwelt des Mittleren Ostens zerstört, wir müssen zusehen, dass wir die wieder reparieren. Die Auswirkungen betreffen zunächst uns, schauen Sie sich die Millionen Flüchtlinge an.“

„Europa muss sich auf die Hinterbeine stellen, muss lernen, seine Interessen selbst zu artikulieren. Wir können nicht mehr darauf warten, dass der große Bruder es für uns richten wird. Dabei müssen wir vor allem sicherheitspolitisch bedenken, dass wir ohne die Amerikaner nicht können. Die Verbindung mit Amerika aufzukündigen, wäre Schwachsinn. Aber wir müssen wissen, dass Amerika nicht mehr so fest an unserer Seite steht.“

Das gesamte Interview finden Sie hier:

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