Kraftvoll in die nächste Runde 

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Marken- und Produktfälschungen zählen zu den größten Herausforderungen der Industrie. Die „Initiative für Sicherheit in der Wirtschaft“ (IISW) lud deshalb zu einem weiteren branchenübergreifenden Austausch über technische Lösungen zur Sicherung der Lieferkette. Thema der Veranstaltung: „Innovationskraft gegen Produktpiraterie“. 

Die Organisierte Kriminalität verdient ordentlich: Die OECD beziffert den jährlichen Umsatz der globalen Netzwerke im Bereich der Marken- und Produktpiraterie auf rund 870 Milliarden US-Dollar. Geld, dass nicht nur den ehrlichen Unternehmen fehlt, sondern unter anderem auch für die Finanzierung von Terroranschlägen verwendet wird. Das Thema Lieferkettensicherheit geht also alle an. Dies verdeutlichte auch der breite Teilnehmerkreis bei der Veranstaltung „Innovationskraft gegen Produktpiraterie“: Ob Automobil, IT oder Konsum, Logistik, Sicherheit oder Vertreter aus Bundestag und Bundesministerien – der Kreis der Interessierten war groß. Die Gäste bekamen Einsichten in die Arbeit von drei Experten auf dem Gebiet der Lieferkettensicherheit.

Jan Ziesing vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) stellte die Erkenntnisse des Innovationsclusters „Next Generation ID“ vor. Das Cluster, das Technologien der Identifikation erforscht, umfasst neben fünf Fraunhofer-Instituten fünf Hochschulen und 14 Industriepartner. Für Ziesing steht fest: „Mit zunehmender Digitalisierung steigt auch der Bedarf an ID-Technologien“. Sein Fazit: „Bei Track & Trace sollte von Anfang an auf mögliche Effekte auf die komplette Lieferkette inklusive Logistik, Handel und Endnutzer geachtet werden. Hierfür sind branchenübergreifende Ansätze sinnvoll.“

Marina Bloch, Leiterin Anti-Counterfeiting Group Medical der Bayer AG, erklärte, wie das Unternehmen die „Falsified Medicines Directive“ der EU umsetzen wird. Auch wenn dieser Ansatz zur Vermeidung von Medikamentenfälschungen in der Lieferkette im Prinzip richtig sei, so Bloch, griffen solche Maßnahmen zu kurz. „Die Pharmabranche hat in Europa keine großen Probleme mit Fälschungen in der legalen Lieferkette. Jedoch sind mindestens 50 Prozent der über das Internet angebotenen Arzneimittel gefälscht. Diese werden außerhalb der legalen Lieferkette vertrieben“, so Bloch.

Thorsten Kirschner, Senior Manager bei GS1 Germany zeigte auf, wie Fälschungssicherheit durch offene Standards in Wertschöpfungsketten erreicht wird. Dazu präsentierte Kirschner eine App, mit der Produkte authentifiziert werden können. Herausforderungen dabei sind die Verfügbarkeit und Aktualität der Daten für Behörden und Kunden. So wird zum Beispiel beim Seetransport die schon vorhandene individuelle Schiffsnummer (IMO-number) in das System eingebunden und stellt auch Rückverfolgbarkeit auf diesem Gebiet sicher.

Die Veranstaltung „Innovationskraft gegen Produktpiraterie“ brachte diese und zahlreiche weitere Erkenntnisse für die Gäste, die in ihren Unternehmen, Verbänden oder auf politischer Ebene innovative Lösungen für sichere Lieferketten suchen. Thomas Franke, Leiter der IISW, stellte zufrieden fest: „Vor gerade einmal fünf Monaten gestartet, können wir schon heute eine breite Expertise durch die beteiligten Partner innerhalb der IISW vorweisen. Das gibt Schwung für die nächsten Schritte, denn: Am Ende leistet die IISW auch einen Beitrag, der Organisierten Kriminalität das Handwerk zu legen.“

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