Wirtschaft digitalisiert sich zu langsam

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Unternehmen haben es derzeit nicht leicht: Kunden verlangen immer mehr – und dies immer schneller. Sie möchten individuelle Produkte in bester Qualität aus einer großen Auswahl, dazu möglichst viel Informationen und Service, am besten auf Knopfdruck, auch von unterwegs. , – –. Keine Frage: Die Digitalisierung macht die Erfüllung der Kundenwünsche mittlerweile möglich. Aber wie richtet man als Unternehmen die immer komplexeren Wertschöpfungsketten optimal auf die anspruchsvolleren Kunden aus?

Vor allem durch Agilität, das heißt Geschwindigkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit – denn diese sind laut einer Befragung der candidus management consulting die Eigenschaften, die Wertschöpfungsketten jetzt und in Zukunft aufweisen müssen. Bei deutschen Unternehmen stehen diese Themen hinsichtlich ihrer Supply Chain Planung folglich auf der Agenda ganz oben. Genauer gesagt bei Entscheidern aus produzierenden B2B- und B2C-Unternehmen mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresumsatz, unter anderem aus den Branchen Anlagenbau, Augenoptik, Automotive, Diagnostik, Elektronik, Maschinenbau, Möbel, Solartechnik und Schienenindustrie, die dazu befragt wurden.

Schnelligkeit das A&O in der Supply Chain

Wie sieht die möglichst agile, also bewegliche und wendige Lieferkette aus? „Agilität ist die Antwort auf die Zukunftsfrage. Sie muss als Dichotomie aus Schnelligkeit und Flexibilität auf Kundenseite einerseits und Risikoabsicherung auf Versorgungsseite andererseits verstanden werden. Wenn Produktlebenszyklen sich immer stärker verkürzen, muss das Supply Chain Management selbst immer schneller werden“, erläutert Evi Hartmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Supply-Chain-Management an der Universität Erlangen/Nürnberg. Und weiter: „Wenn eine Jeans von der Baumwolle bis zum Boutique-Regal bis zu 50.000 Kilometer quer durch zehn Länder zurücklegt, muss das Supply Chain Management immer anspruchsvollere Formen der Komplexität bewältigen“.

Zulieferer müssen erst noch auf digitalen Kurs gebracht werden

In der Praxis heißt das, vor allem die oft zahlreichen Zulieferer auf dem Weg in die agile, digitale Produktion mitzunehmen. Die gesamte Lieferkette sollte so anpassungsfähig gestaltet werden, wie das Mutterunternehmen selbst, damit Kundenwünsche sich möglichst schnell realisieren lassen.

Mit anderen Worten: Was nützt die Digitalisierung, wenn die Lieferanten noch analog arbeiten? Die Dringlichkeit, auch bei den Zulieferern die Prozesse zu modernisieren, zeigt sich zum Beispiel daran, dass aktuell immer noch rund 50 Prozent aller Kommunikation unter Supply Chain-Partnern über „traditionelle“ Technologien wie Telefon, Fax oder E-Mail verläuft. Die Unternehmen reagieren zwar bereits auf die neuen Kundenansprüche und machen die Digitalisierung mehr und mehr zur Chefsache. Das geschieht jedoch sehr langsam: Gerade einmal elf Prozent haben erst einen Digitalisierungsexperten, beispielsweise einen Chief-Digital-Officer (CDO), weitere sieben Prozent planen einen solchen für dieses Jahr ein, sagen die Berater von Kienbaum. Ergo: 18 Prozent – weniger als ein Fünftel – der deutschen Wirtschaft plant derzeit den Aufbau notwendiger personeller Ressourcen beziehungsweise setzt diese schon heute um.

Ins Bild passt da auch ein weiteres, überraschendes Ergebnis der candidus-Studie: Das mediale Wirtschafthema Nummer eins, die „Industrie 4.0“, spielt in Bezug auf die Lieferketten aktuell noch nicht einmal für die Hälfte der Firmen (44 Prozent) eine entscheidende Rolle im Unternehmensalltag. Stattdessen setzen die Unternehmen bei der Supply Chain Optimierung auf andere Stellschrauben, die allesamt als Bausteine für eine ganzheitliche Ausrichtung hin zur Agilität begriffen werden können: Klassische Maßnahmen zur Kostensenkung durch schlanke Prozesse, einen modularisierten Produktaufbau sowie Produktions- und Distributionsnetzwerke, die sich global „end-to- end“ an den spezifischen Markt- und Kundenanforderungen orientieren. Und quasi übergreifend kommt noch ein wichtiger weiterer Punkt dazu: optimiertes Lieferantenmanagement.

Track & Trace: Transparente Lieferkette zeigt Optimierungspotenzial

Lieferanten und Logistiker müssen mitziehen, wenn die Lieferkette agil sein soll, um Kundenwünsche optimal zu bedienen. Das bedeutet Überzeugungsarbeit, vor allem die Bereitschaft für Investitionen und kontinuierliche Optimierung entlang der zentralen Parameter „Kosten, Qualität und Lieferzeit“. Eine besondere Rolle kommt dabei Track & Trace zu, denn dieses ermöglicht eine detaillierte Analyse und Kontrolle aller Akteure in der Wertschöpfungskette und zeigt genau, an welchen Schrauben das Management gegebenenfalls noch drehen muss, um das Lieferantenmanagement zu optimieren.

Mehr Sicherheit – und mehr Kundennutzen durch individuelle Kommunikation

Aber Track & Trace bietet noch mehr als Transparenz in der Lieferkette: Es ist vor allem eine effektive Antwort auf die immer dringenderen Fragen der Lieferkettensicherheit. Markenartikler setzen deshalb zusehends auf die Serialisierung mit Track & Trace, also auf Rückverfolgbarkeit. Durch die Vergabe einer individuellen Seriennummer wird jeder Artikel eindeutig identifizierbar und über die gesamte Lieferkette verfolgbar – bis hin zum Endkunden. Durch die Codierung eines Produkts mit sog. Unique ID’s auf Verpackungen, kann es durch Track & Trace über die gesamte Supply Chain erfasst und zurückverfolgt werden. Das Ergebnis für die Produzenten: eine lückenlose Prozesshistorie und gesteigerte Fälschungssicherheit. Denn: Funktioniert ein Codierung nicht richtig, stellt also keine funktionierende Kommunikation mit dem Hersteller her, ist das Produkt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Fake. Ein klares Signal für den Kunden. So können die Verbraucher selber noch vor dem Kauf die Echtheit ihres erworbenen Produktes überprüfen.

Interessant sind aber gerade auch die vielen Möglichkeiten, dem Kunden echten Zusatznutzen zu bieten. So können über die einmalige Produkt-ID beispielsweise auch Tipps zur Bedienung, Pflegehinweise, Garantiebedingungen, Infos zu den Inhalten oder Sicherheitshinweise gegeben werden. Der Kunde kann sich sicher sein: Der Hersteller weiß vom Kunden und kann ihn ganz gezielt informieren. Auch individualisierte Marketingaktivitäten sind möglich. So, wie heute schon Google&Co. auf die Interessen der User zugeschnittene Hinweise und Werbung platzieren, wird man ähnliches demnächst auch in der realen Welt ermöglichen. Bedeutungslose und störende „Spam“- Werbung wird dann immer weniger attraktiv für Werber.

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