Die Schwachstellen der deutschen Wirtschaft

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Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität, zeigt eine Studie der KPMG. Zum 17. Mal hat sie deutsche Unternehmen befragt, wie sie es mit der eigenen Sicherheit halten und sich gegen Wirtschaftskriminalität schützen.

Vor einigen Tagen bekamen mehrere Unternehmen der Automobilbranche Besuch vom Bundeskartellamt. Der Grund: Es besteht der Anfangsverdacht der unerlaubten Preisabsprachen. Sofort signalisierten die Unternehmen ihre Bereitschaft zur Kooperation mit den Behörden und verwiesen auf die strengen Anti-Korruptionsrichtlinien, denen jeder Mitarbeiter unterliegt. Und das sind keineswegs vorgeschobene Schutzbehauptungen. Viele Unternehmen wissen tatsächlich nicht, wie ihnen im Bereich der Wirtschaftskriminalität geschieht. Fast die Hälfte (45 Prozent) der großen Unternehmen räumen ein, von Wirtschaftskriminalität betroffen zu sein. Doch selten können die Unternehmen beziffern, wie groß der Schaden eigentlich ist. Dementsprechend herrscht Unklarheit über das tatsächliche Ausmaß der Gefahr; die 45 Prozent sind eher eine untertriebene Mindestgröße.

Doch warum wollen viele Unternehmen gar nicht so genau hinschauen? Sie wissen, dass es um ihre Reputation geht und dass diesbezügliche Schäden auch bilanziell zu Buche schlagen können. Laut KPMG „misstraut ein Großteil der Befragten solchen Unternehmen, die Täter wirtschaftskrimineller Handlungen waren“. Am Bekanntwerden von Kriminalität und Korruption im eigenen Haus ist Unternehmen also wenig gelegen. Der Umsatzverlust und der Wegfall von Kooperationspartnern trifft Unternehmen ebenso empfindlich wie die kriminelle Handlung selbst.

Problem erkannt – Problem gebannt
Das Problembewusstsein der Unternehmen wächst und die Erkenntnis, dass man möglichst schnell auf kriminelle Handlungen reagieren muss, setzt sich bei immer mehr Unternehmen durch. Gaben noch im Jahre 2014 lediglich vier Prozent der befragten Unternehmen an, nicht rechtzeitig auf kriminelle Handlungen im Unternehmen reagiert zu haben, waren es bei der aktuellen Umfrage schon 63 Prozent. Der sprunghafte Anstieg lässt sich nicht mit einem Anstieg der Kriminalitätsrate erklären. Er zeigt vielmehr: Die Bereitschaft der Unternehmen, in Prävention und Reaktion zu investieren, steigt rasant. Die Lösung liegt dabei offensichtlich nicht in der Revision, sondern in der IT-Abteilung. „Neben den klassischen Aufklärungsmaßnahmen greifen mittlerweile 57 Prozent der Unternehmen bei der Aufklärung wirtschaftskrimineller Sachverhalte auf Datenanalysen zurück“, heißt es in der KPMG-Studie. „Angesichts der zunehmenden Digitalisierung und der Bedrohung durch e-Crime sind moderne Aufklärungsmaßnahmen zu empfehlen, da viele Delikte sonst nicht wirksam bekämpft werden können“, folgern die Autoren.

Allheilmittel digital?
Sicher ist Digitalisierung (noch) kein Allheilmittel und birgt selbst wiederum Risiken in sich. Aber: Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die sich keine eigenen Mitarbeiter für die Durchsetzung der Compliance-Richtlinien leisten können, bietet die Digitalisierung ungeahnte Möglichkeiten. Permanenter Kontrolldruck durch intelligente und vernetzte Systeme ist tatsächlich äußerst wirksam, wenn es darum geht, Kriminalität in der Wirtschaft einzudämmen. Inzwischen sind die Programme so ausgefeilt, dass sie logische Brüche erkennen und beginnen, den gesunden Menschenverstand oder die Intuition eines erfahrenen Mitarbeiters nachzuahmen.

Das Forum Vernetzte Sicherheit setzt sich im Rahmen der Initiative Innovationskraft und Sicherheit in der Wirtschaft IISW (Link) besonders für den branchenübergreifenden Austausch zu diesen Themen ein.

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