Von Cargo-Crime und Planenschlitzern

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Als Autofahrer ist man, zumindest werktags, meist wenig erfreut, wenn man auf der Autobahn eine Raststätte oder einen Parkplatz anfährt – dort parkt Lkw neben Lkw neben Lkw, und einen Parkplatz zu finden ist oft nervenzehrend. Doch eine kleine, sehr spezielle Gruppe Reisender freut sich mehr und mehr über die vielen Laster an deutschen und auch europäischen Raststätten: organisierte Kriminelle. Ein kurzer Schnitt an der Lkw-Plane – und findet sich dort dann Wertvolles auf der Ladefläche, wird immer öfter direkt vom Mehrtonner geklaut. Oder es werden gleich der ganze Lkw bzw. der Hänger gestohlen. Besonders Technik, Elektronik, Werkzeuge, Nahrungsmittel und Tabak stehen auf der Wunschliste der „Planenschlitzer“ ganz oben.

Offizielle Zahlen zum Schaden, der Unternehmen und der Volkswirtschaft durch sogenannten Cargo-Crime entsteht, gibt es kaum. Aber sie ist ein bedeutender Teil der Wirtschaftskriminalität. Denn in polizeilichen Statistiken werden Ladungsdiebstähle bisher nicht separat erfasst. Die bekannten Zahlen basieren deshalb auf Fallzahlenerhebungen, aber diese haben es in sich. Laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung haben die Frachtdiebstähle allein in Niedersachsen im letzten Jahr um zehn Prozent zugenommen auf 747 Fälle. In Brandenburg (534 Fälle) und Baden-Württemberg (rund 200 Fälle) haben sich die Diebstähle im Vergleich zu 2014 sogar verdoppelt. Die Transported Asset Protection Association (Tapa) vermutet, dass es 2014 etwa 5.000 Fracht- und Lkw-Diebstähle in Deutschland gegeben hat. Den so entstandenen Schaden durch Güterverlust für deutsche Versicherungen schätzte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bereits 2007 auf rund 300 Mio. Euro im Jahr. Und eine Studie im Auftrag des EU-Parlaments kam sogar auf einen volkswirtschaftlichen Verlust von 1,5 Mrd. Euro – nur in Deutschland.

Frachtsicherheit wichtiger Teil der Supply Chain Security 

Die Dunkelziffer an Diebstählen und der tatsächliche Schaden dürften allerdings um ein Vielfaches höher liegen, denn die betroffenen Speditionen machen das Thema aus verständlichen Gründen oft nicht publik. Polizei und Versicherungswirtschaft appellieren deshalb an die Speditionen, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen – dickere Planen, Peilsender oder Codierungssysteme sind zum Beispiel Maßnahmen, die unmittelbar auf dem Lkw die Ladung schützen können. Zudem wird diskutiert, wie die Frachtrouten insgesamt sicherer gemacht werden können. Sicherheitsparkplätze mit Videoüberwachung und Aufsichtspersonal gibt es bisher nur eine Handvoll.

Festzuhalten bleibt, dass das Thema Fracht- und Ladungssicherheit für Unternehmen ein immer wichtigerer Teil der „Supply Chain Security“ wird. Die Minimierung von Transportrisiken wird deutsche Firmen in Zukunft deutlich mehr beschäftigen. Lieferkettensicherheit wird zum wesentlichen Bestandteil der Wertschöpfungskette. Nun sind neue Maßnahmen und Konzepte zur Risikoabsicherung gefragt.

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