Kampf gegen Produktpiraterie und Ideenklau

Haben Sie schon einmal an den Wert und die Wichtigkeit des geistigen Eigentums gedacht? Heute vor einer Woche wäre der ideale Zeitpunkt dafür gewesen, denn am 26. April jährte er sich zum sechzehnten Mal: Der von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) initiierte „Welttag des geistigen Eigentums“, der die große Bedeutung und den Schutz von „Intellectual Property“ thematisierte.

Wieder einmal und zu Recht, denn das Thema trifft mehr denn je den Nerv der Zeit. Und die WIPO als Teil- bzw. Sonderorganisation der Vereinten Nationen ist einer der wichtigsten Player weltweit, wenn es um den Schutz von Marken und Patenten geht, und zwar immaterieller wie auch materieller. So verwaltet sie zum Beispiel auch Verträge ihrer 188 Mitgliedsstaaten zum Schutz des gewerblichen Eigentums oder ist Ansprechpartner für internationale Markenregistrierung und somit den weltweiten Markenschutz.

Wie wichtig die von der WIPO und vielen Verbänden thematisierten Themen „Markenschutz und Schutz vor Fälschungen“ für die deutsche Wirtschaft und die Bevölkerung ganz aktuell sind, zeigt der Mitte April veröffentlichte Jahresbericht 2015 der Deutschen Zollverwaltung. Demnach wurden 2015 über vier Millionen Plagiate aus dem Verkehr gezogen, mit einem Warenwert von 132 Mio. Euro. Die am meisten kopierten Produkte waren Brillen, Taschen, Uhren und Schmuck, die mit 65 Millionen Euro fast die Hälfte des beschlagnahmten Warenwerts ausmachten.

Hohe Verluste für deutsche Wirtschaft

Was die Massen an Plagiaten für konkrete, teils dramatische Auswirkungen haben, zeigen Zahlen des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (HABM) der EU. Nach dessen Aussage entgehen zum Beispiel deutschen Taschen- und Kofferherstellern aufgrund von Produktfälschungen Einnahmen von 231 Mio. Euro pro Jahr, das sind 13,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Und den deutschen Schmuck- und Uhrenproduzenten – Jahresumsatz rund 1,7 Mrd. Euro – gehen aufgrund von Produktfälschungen allein auf dem deutschen Markt pro Jahr Einnahmen in Höhe von 247 Mio. Euro verloren. Nur zwei Bespiele von vielen, denn besonders im Fokus der Fälscher waren auch zahlreiche weitere Branchen, vom Maschinenbau bis Spielzeugherstellung, von der Automobilindustrie bis hin zur Pharmaproduktion.

Dass es sich bei den vom Zoll beschlagnahmten Fake-Produkten nur um die Spitze des Eisbergs handelt, ist kein Geheimnis. Wie groß das Ausmaß krimineller Machenschaften mit – immer professioneller und schneller hergestellten – illegalen Kopien tatsächlich ist, überrascht indes doch: Von 30 Mrd. (DIHK) bis 56 Mrd. Euro (Ernst & Young) reichen die Schätzungen zum Schaden, den Fälschungen allein der deutschen Wirtschaft jährlich bescheren. Weltweit sollen laut ICC (Internationaler Handelskammer) sogar 600 Mrd. Dollar mit gefälschten Produkten erwirtschaftet werden. Tendenz leider weiter steigend.

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