Der umgekehrte Bündnisfall

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Nach Deutschland ziehen auch die USA ihre „Patriot“-Raketenabwehrsysteme aus der Türkei ab. Was bedeutet das? Es ist zunächst einmal die militärische Notwendigkeit zu betrachten. Droht eine militärischer Angriff von Seiten Syriens mit Raketen? Aktuell nicht. Daher ist es, militärisch-taktisch betrachtet, klug. Jedoch: Die Lage kann sich ändern. Das ist nicht unwahrscheinlich. Jeder weiß, dass Verlegungszeiten von militärischem Gerät sich zwar verkürzen lassen, jedoch mit hohem Aufwand verbunden sind. Warum also, strategisch gesehen, „Patriot“ abziehen und nach Deutschland verlegen, wenn sie mittelbar doch benötigt werden könnten? Als Signal. Als Signal an die Türkei. Wer eskalierend in einer Region handelt, die einem Pulverfass gleicht, kann nicht ernsthaft mit der Bündnissolidarität der NATO-Partner rechnen. Deutsche Soldaten dürfen die Kaserne nur noch aus „dienstlichem“ Anlass und dann in zivil verlassen. Das ist faktisch ein Ausgehverbot. Es zeigt, dass NATO-Partner in der Türkei nicht mehr wohlgelitten sind. Der NATO wird die Bündnissolidarität mit der Türkei ebenfalls langsam peinlich, zumindest taktisch gesehen. Ein Auseinanderdividieren der NATO wäre fatal, ist aber möglich.

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